ChessBase Magazin 137
Als in Sofia die letzten Partien des WM-Matches Anand-Topalov liefen, begann im russischen Astrachan bereits das letzte Turnier der Grand-Prix-Serie, bei dem es auch noch um einen Startplatz für das Kandidatenturnier zur Kür des nächsten WM-Herausforderers ging. Eljanov unterstrich mit seinem überlegenen Turniersieg seine hervorragende Form und gewann das Turnier überlegen. Lachender Zweiter wurde Radjabov, der sich in Astrachan die Qualifikation für das Kandidatenturnier sicherte. Im Juni folgten gleich drei weitere Spitzenturniere: Beim Karpov-Schachturnier in Pojkovsky gewannen Karjakin und Bologan. Ivanchuk dominierte das Feld beim Capablanca-Memorial auf Kuba. Und schließlich machte Carlsen das "Turnier der Könige" im rumänischen Bazna zu einer beeindruckenden One-Man-Show. Alle Partien dieser vier Spitzenturniere finden Sie auf der DVD. Die Turniersieger sind auch die Starautoren dieser Ausgabe: Carlsen, Eljanov, Karjakin, Bologan, Radjabov u.v.a. haben ihre besten Partien für Sie kommentiert.
Als in Sofia die letzten Partien des WM-Matches Anand-Topalov liefen, begann im russischen Astrachan bereits das letzte Turnier der Grand-Prix-Serie, bei dem es auch noch um einen Startplatz für das Kandidatenturnier zur Kür des nächsten WM-Herausforderers ging. Eljanov unterstrich mit seinem überlegenen Turniersieg seine hervorragende Form und gewann das Turnier überlegen. Lachender Zweiter wurde Radjabov, der sich in Astrachan die Qualifikation für das Kandidatenturnier sicherte. Im Juni folgten gleich drei weitere Spitzenturniere: Beim Karpov-Schachturnier in Poikovsky gewannen Karjakin und Bologan. Ivanchuk dominierte das Feld beim Capablanca-Memorial auf Kuba. Und schließlich machte Carlsen das "Turnier der Könige" im rumänischen Bazna zu einer beeindruckenden One-Man-Show. Alle Partien dieser vier Spitzenturniere finden Sie auf der DVD. Die Turniersieger sind auch die Starautoren dieser Ausgabe: Carlsen, Eljanov, Karjakin, Bologan, Radjabov u.v.a. haben ihre besten Partien für Sie kommentiert.

Einleitungsvideos

Der Hamburger Großmeister Karsten Müller zeigt Ihnen in seiner Videoeinleitung, was Sie auf dieser DVD erwartet. Mit den Partien Carlsen-Radjabov und Riazantsev-Karjakin stellt er Ihnen schon einmal zwei absolute Highlights vor und erläutet Ihnen die kritischen Momente. Von den insgesamt 12 Eröffnungsbeiträgen empfiehlt er insbesondere Knut Nevens Repertoirevorschlag 2.Lg5 gegen die Holländische Verteidigung sowie Evgeny Postnys Beitrag über das Slawische Damengambit mit 6.Sh4, in dem Carlsen eine Verbesserung gegenüber einer Kasparov-Partie aus den 80er Jahren anbringen konnte.

GM Dorian Rogozenco blickt in seinen Videoeinführungen wie gewohnt auf die Turnierhöhepunkte der letzten zwei Monate zurück. Im ersten Video würdigt er die Leistung Pavel Eljanovs beim FIDE Grand-Prix und zeigt als Beispiel für dessen außergewöhnliches strategisches Verständnis seine Gewinnpartie gegen Inarkiev, und zwar mit einer Caro-Kann-Variante, die bislang als nachteilig für Schwarz gegolten hat. Zudem führt Rogozenco eine Gewinnpartie des Co-Siegers vom Karpov-Schachturnier, Viktor Bologan, vor - in der Schwarz ebenfalls eine Verbesserung in der Caro-Kann-Verteidigung anbringen konnte.
Im zweiten Video berichtet der rumänische GM von den Topturnieren in Havanna und Bazna. Vassily Ivanchuks faszinierende Gewinnpartie gegen Short in der ersten Runde des Capablanca-Memorials wird hier ebenso angeschnitten wie eine Reihe interessanter Partien vom "Turnier der Könige", z.B. Ponomariovs Neuerung gegen Nisipeanus Blumenfeld-Gambit und Gelfands Gewinnpartie gegen Wang Yue, die der Israeli auf der DVD selbst ausführlich kommentiert. Und natürlich geht Rogozenco auch auf die Leistung des wiederum überragenden Turniersiegers Magnus Carlsen ein. 
14.06.-24.06.2010


Nicht zu stoppen:
Magnus Carlsen

"Turnier der Könige"

Das in den Siebenbürger Orten Mediasch und Bazna ausgetragene "Turnier der Könige" wurde eine One-Man-Show von Magnus Carlsen. Zu Beginn kam der norwegische Superstar nicht richtig in Fahrt und musste sich in den Runden 1 bis 3 jeweils mit einem Remis begnügen. Doch dann überrollte er mit vier Siegen in Folge das Feld. Das Signal zum Durchmarsch gab Carlsen in seiner Weißpartie gegen Wang Yue, als er das im Spitzenschach lange nicht gesehene Königsgambit testete - natürlich mit Erfolg. In der Schlussrunde hätte Carlsen ein Remis zum Turniersieg gereicht. Doch der Norweger schlug gegen Wang Yue auch mit Schwarz noch einmal zu und ließ das übrige Weltklassefeld um zwei ganze Punkte hinter sich, weil sein einziger Verfolger, Boris Gelfand, gegen Radjabovs Königsinder unter die Räder kam.


Carlsen,M - Radjabov,T

Stellung nach 18...Lxh3

Magnus Carlsen hat seine Partie gegen Teimour Radjabov aus Runde 7 für diese Ausgabe von ChessBase Magazin kommentiert. Der Aserbaischaner schien anfangs die Drachenvariante anzustreben, scheute dann aber zu Carlsens Überraschung davor zurück. Die Kontrahenten folgten bis zur Neuerung 16.Lxd5 der Partie Bologan-Malakhov (2006). Carlsen räumt in seiner Analyse ein, dass die Neuerung Weiß nicht unbedingt Vorteil verspricht. Dafür aber stellt sie Schwarz vor größere praktische Herausforderungen als der Zug 16.exd5 aus der Vorgängerpartie. In der Brettstellung sicherte sich Carlsen mit 19.Sxg5 und der nachfolgenden Abwicklung einen minimalen Vorteil, den er dank präzisen Spiels und einer Unachtsamkeit seines Gegner im Turmendspiel zum vollen Punkt verwerten konnte. Klicken Sie hier oder auf den Link unter dem Diagramm und spielen Sie die Partie mit den Analysen des Weltranglistenersten nach.


Gelfand,B - Wang Yue
Stellung vor 43.Sh4

Boris Gelfand war der einzige, der bis kurz vor Schluss halbwegs mit dem jungen Norweger mithalten konnte. Auch wenn er sich am Ende noch den zweiten Platz mit Radjabov teilen musste, so bestätigt diese Turnierleistung insgesamt seine seit Monaten konstant gute Form. Sein Erstrundensieg gegen den Chinesen Wang Yue ist das Ergebnis einer strategischen Glanzleistung. Gelfand selbst kommentiert diese Partie, in der zwischen dem 17. und dem 44. Zug keine einzige Figur geschlagen dafür aber kräftig manövriert wurde, ausführlich. Das strategische Konzept, das er hier wie bereits in einer Partie gegen Hort vor 20 Jahren (beginnend mit 5.c5 gegen Slawisch mit 4...a6) verfolgt, besteht darin, die Stellung weitgehend zu schließen und durch Bildung der Bauernkette c5-d4-e3-f4-g5 den Bewegungsspielraum der schwarzen Figuren zu reduzieren. Und erst nach dieser gründlichen Vorbereitung gilt es, in die gegnerische Stellung einzudringen. 
Für Lokalmatador Liviu-Dieter Nisipeanu ist das von Jahr zu Jahr stärker besetzte "Turnier der Könige" eine schwierige aber reizvolle Herausforderung. Mit einem Gesamtresultat von 4 aus 10 blieb er diesmal ziemlich genau im Rahmen seiner Eloerwartung und erreichte ein deutlich besseres Ergebnis als im Vorjahr. Seinen Erstrundensieg über Radjabov kommentiert Nisipeanu auf der DVD ebenso wie sein Schwarzremis gegen den Turniersieger.


Nisipeanu,L - Radjabov,T
Stellung vor 17.Sxf6+

In Nisipeanu,L - Radjabov,T stand die Sweschnikow-Variante zur Diskussion. Mit 13...Le6 brachte der Aserbaidschaner eine für diese Eröffnung sehr frühe Neuerung. Nisipeanu ließ sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und setzte die Entwicklung seiner Figuren mit Fianchetto des Königsläufers und kurzer Rochade fort. In der Brettstellung entschied er sich nach langem Überlegen und allen Prinzipien zum Trotz dazu, seinen starken Springer auf d5 für den schwachen Läufer auf f6 herzugeben. Wie Nisipeanu in seiner Analyse erläutert, ist dies jedoch in der Tat die einzige Chance für Weiß, sich einen kleinen Vorteil zu bewahren. Die entscheidende Wendung nahm die Partie, als Radjabov einen zu ambitionierten Plan ergriff und der Rumäne mit Hilfe einiger überraschender Kniffe die Schwächung der schwarzen Bauern ausnutzte. - Freunde des Jänisch-Gambits können sich zudem über Analysen der Partie Carlsen,M - Nisipeanu,L freuen, die Schwarz relativ ungefährdet im Gleichgewicht halten konnte.
10.06.-20.06.2010


Ivanchuk auf den Spuren Capablancas

Capablanca-Memorial

Nach einer durchwachsenen Phase hat sich Vassily Ivanchuk beim Capablanca-Memorial auf Kuba mit einem eindrucksvollen Turniersieg und einer Elo-Performance von 2893 zurückgemeldet. Von Beginn an legte der Ukrainer furios los und setzte sich mit Siegen über Short und Alekseev an die Spitze des Feldes. Zwei weitere Gewinnpartien über Nepomniachtchi und Buzon bedeuteten am Ende ein sattes +4 und den nie gefährdeten 1. Platz. Alle Partien, Analysen sowie einen Turnierbericht finden Sie hier.


Short,N - Ivanchuk,V
Stellung nach 19...g6

Igor Stohl und Evgeny Postny haben zwei sehenswerte Gewinnpartien des Turniersiegers kommentiert. In der ersten Runde traf Ivanchuk auf den stets kampfeslustigen Nigel Short. Dessen Trompowsky-Angriff begegnete der für sein umfassendes Eröffnungswissens gefürchtete Routinier mit kompromisslosem Spiel. Es entwickelte sich ein typisch unorthodoxes und komplexes Spiel. Erst opferte Short temporär einen Bauern, dann investierte Ivanchuk die Qualität, konnte dafür aber den weißen Läufer auf h7 einsperren (s. Diagramm). Nach Abtausch der Damen gab Short seinen Turm für zwei Bauern sowie für die Befreiung seines Läufers. Doch seine Rechnung ging nicht auf. Im Endspiel dominierte Ivanchuks Läuferpaar das Brett und paralysierte die weißen Freibauern zur Gänze.


Nepomniachtchi - Ivanchuk,V
Stellung nach 19...h6

Europameister Jan Nepomniachtchi vertraute in seiner Weißpartie gegen Ivanchuk wieder der Fantasy-Variante gegen Caro-Kann und setzte - wie zuletzt gegen Jobava - auf das unorthodoxe 4.a4. Doch Ivanchuk konterte mit der Neuerung 4...e6. Ein unscheinbarer, aber wie Evgeny Postny in seiner Analyse anerkennend bemerkt, kluger und wirkungsvoller Zug. Tatsächlich gelang es Ivanchuk in nur wenigen Zügen nachzuweisen, dass Schwarz aufgrund der mit f2-f3 und a2-a4 hervorgerufenen Schwächungen bereits die Nase vorn hat. Die Diagrammstellung sieht für Weiß bereits verdächtig aus. Die weißen Figuren wirken passiv und nicht koordiniert. Nach Abtausch der Türme behielt Ivanchuk dank ungebrochener Aktivität von Dame + Springer die Oberhand und führte die Partie souverän zum Sieg. 

02.06.-13.06.2010


Einer von zweien:
Co-Sieger Karjakin

Karpov-Turnier Poikovsky

Sergey Karjakin und Viktor Bologan heißen die Sieger bei der diesjährigen Auflage des Karpov-Schachturniers im russischen Poikovsky. Es war bis zuletzt ein hartes Rennen. Vor der Schlussrunde lagen gleich vier Spieler punktgleich an der Spitze und alle vier hatten den Vorteil, die letzte Partie mit den weißen Steinen spielen zu dürfen. Während Nikita Vitiugov sich mit einem Kurzremis gegen Baadur Jobava begnügte und Dmitry Jakovenko trotz zähen Ringens Sergei Rublevsky nicht bezwingen konnte, brachten die späteren Co-Sieger ihre Partien siegreich zu Ende. Sowohl Karjakin als auch Bologan haben zwei ihrer Partien für diese Ausgabe kommentiert, und auch Vitiugov ist mit Analysen zweier starker Partien vertreten.


Karjakin,S - Sokolov,I
Stellung nach 20.Tc3

Die Basis für den Turniersieg legte Sergey Karjakin in seinen Weißpartien, denn hier erzielte er die +3, die auch am Schluss für ihn zu Buche standen. Eine dieser Weißpartien, Karjakin,S - Sokolov,I, hat er auf der DVD kommentiert. In der Zaitsev-Variante der Spanischen Eröffnung fand der Holländer nicht den richtigen Plan und wurde rasch am Damenflügel überspielt. Mit 20.Tc3 (Diagramm) bereitet Karjakin nicht nur die Verdoppelung auf der c-Linie vor.
Von hier aus nimmmt der Turm auch stets defensive Aufgaben auf der dritten Reihe wahr. Sokolovs Bemühen, mit Hilfe des Springeropfers 25...Sxg2 zurück ins Spiel zu finden, wusste der junge Ukrainer adäquat zu begegnen und führte die Partie technisch sauber und ohne Mühe zum Sieg.


Riazantsev,A - Karjakin,S
Stellung nach 12.Sf5

Gegen den noch relativ unbekannten Russen Alexander Riazantsev musste sich Karjakin in dem nach wie vor populären Dameninder mit weißem Bauernopfer auf d5 zu Wehr setzen. Noch mehr als von der Eröffnungswahl wurde Karjakin durch die Fortsetzung 10.De4 seines Gegners überrascht. Wirkliches Neuland war das für Karjakin dennoch nicht, und so setzte er wie vor zwei Jahren gegen Svidler mit 10...Sa6 fort. Doch nach 11.Sh4 g6 goss Riazantsev mit der vorbereiteten Neuerung 12.Sf5 (Diagramm) tüchtig Öl ins Feuer. Karjakin glaubte sich auf diesen Zug ausreichend vorbereitet, doch nach 23.De4 realisierte er, dass seine Analyse am PC offenbar ein Loch hatte. Denn Riazantsev konnte den schwarzen König nun in die Mitte des Brettes treiben und dabei auch noch die Materialbilanz wiederherstellen. Doch Karjakin hatte Glück, ergriff die Flucht nach vorne, entkam den Mattdrohungen und führte die Partie schließlich "mit einem Mehrkönig" zu Ende. Eine wichtige und packende Partie mit Analysen Karjakins, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.


Naiditsch,A - Bologan,V
Stellung nach 17...f5

Für Viktor Bologan, der seit 2001 Stammgast in Poikovsky ist, lief das Turnier lange Zeit unspektakulär. Nach einem  Auftaktsieg gegen Sokolov folgten eine Reihe von Remisen sowie eine Niederlage, und nach 8 Runden standen bei ihm 50 % zu Buche. War's das schon? In Runde 9 folgte zunächst eine Gewinnpartie mit der Caro-Kann-Vorstoßvariante gegen Jobava. Und in Runde 10 gelang dem Moldawier erneut ein Sieg, wieder mit Caro-Kann, aber diesmal mit Schwarz gegen den Panov-Angriff. In der Analyse dieser Partie nimmt Bologan die Eröffnungsbehandlung seines Gegners kritisch unter die Lupe. Naiditsch setzte mit dem Turmmanöver Tc1-Tc3-Th3 auf Angriff, wählte in der kritischen Stellung (Diagramm) aber nicht die konsequente Fortsetzung mit dem Läuferopfer auf h6. In der Partie sowie in der Analyse demonstriert Bologan eindrucksvoll, wie sich die Deplatzierung des Turms auf h3 forciert zum Vorteil von Schwarz nutzen lässt.


Bologan,V - Motylev,A
Stellung nach 24.De4

Durch die beiden Siege hatte Bologan mit einem Mal mit den Führenden im Felde aufgeschlossen. Und es war klar, dass er in der Schlussrunde gegen Motylev alles daran setzen würde, um zumindest den geteilten ersten Platz zu erreichen. In der Russischen Verteidigung ging Bologan sehr sachlich zu werke und verschaffte sich durch kluges positionelles Spiel langfristig Vorteil. Im Endspiel mit Läufer + Springer gegen Läufer + Springer bildete er durch Vormarsch des c- und d-Bauern einen gefährlichen Freibauern. Wie er in seiner Analyse jedoch kritisch anmerkt, übersah er im 31. Zug eine Gewinnfortsetzung und nach Abtausch des Springers sah alles danach aus, als sollte Motylev die Partie ins Remis retten können. Doch im 61. Zug, am Ende eines langen Turniers und einer Kräfte zehrenden Partie unterlief auch ihm ein krasser Fehler, der Bologan den dritten Sieg in Folge bescherte.


Erstklassig vorbereitet:
Nikita Vitiugov

Auch wenn es für Nikita Vitiugov am Ende nicht zum Turniersieg reichte, so hatte er doch Grund, mit seinem Spiel zufrieden zu sein. Davon zeugen vor allem die beiden Weißsiege, die er für dieses ChessBase Magazin kommentiert hat. In Vitiugov,N - Karjakin,S hatte er sich bestens auf dessen Nimzo-Indisch vorbereitet und lockte ihn mit einem Bauernopfer und dem seltenen 13.Tb1 auf unbekanntes Terrain. Mit Erfolg, denn Karjakin griff in der Folge mehrfach daneben und sah sich genötigt, bereits im 18. Zug die Qualität ohne jegliche Kompensation herzugeben. Vitiguov konterte anschließend alle Versuche seines Gegners, Initiative zu entwickeln, und leitete gekonnt ins gewonnene Endspiel über.


Vitiugov,N - Rublevsky,S
Stellung nach 13...Le7

Noch schneller entschieden und beendet war die Partie Vitiugov,N - Rublevsky,S, in der Vitiugov das Repertoire seines Gegners einem Härtetest unterzog. Auf das äußerst seltene 6.d5 im Angenommenen Damengambit ließ der junge Russe mit 8.Lxd5 eine Neuerung folgen. Rublevsky sollte diese Fortsetzung nicht völlig fremd sein, und doch beging er prompt drei Ungenauigkeiten, von denen die letzte - 13...Le7 (Diagramm) - die Partie sofort verliert. Sehen Sie, mit welchem Zug Weiß  nach dem Abtausch 14.axb5 axb5 den Gewinn forcieren kann? Vitiguov ließ sich diese Chance nicht entgehen. Rublevsky unternahm anschließend noch ein paar verzweifelte Versuche und warf nach nur 23 Zügen das Handtuch. 

10.05-24.05.2010


Stolzer Sieger:
Pavel Eljanov

 

FIDE Grand Prix Astrachan

In der Videoeinleitung zum letzten ChessBase Magazin hatte sich Jan Gustafsson begin_of_the_skype_highlighting     end_of_the_skype_highlighting sehr wohlwollend über die Entwicklung und den Stil des immer besser in Fahrt kommenden Ukrainers Pavel Eljanov geäußert. Und nur wenige Tage später gewann derselbe beeindruckend souverän das letzte Turnier der FIDE Grand-Prix-Serie. Trotz zweier Niederlagen gewann er das Turnier mit 8 aus 13 und einem ganzen Punkt Vorsprung vor den punktgleichen Ponomariov, Jakovenko, Mamedyarov, Alekseev und Radjabov. Radjabov gelang es damit - wie zuvor bereits Aronian -, sich über die Grand-Prix-Serie für das kommende Kandidatenturnier zu qualifizieren. GM Mihail Marin hat die Partien von Astrachan im Hinblick auf die aktuellen Eröffnungstrends durchgesehen und stellt seine Ergebnisse wieder in einem umfangreichen Eröffnungsreport zusammen. 


Radjabov,T - Eljanov,P
Stellung nach 28...g4

Der Turniersieger kommentiert auf der DVD zwei seiner Schwarzsiege, darunter die wegweisende Gewinnpartie gegen Radjabov in der neunten Runde, durch die sich Eljanov endgültig an der Spitze absetzte. In der Ragosin-Variante des Damengambits überraschte er seinen Gegner mit dem unüblichen 8...c4 (mit demselben Zug gewann er nur wenige Tage danach auch beim ACP Rapid World Cup gegen Moiseenko). In seiner Analyse zeigt Eljanov wenig Sympathie für Radjabovs Neuerung 14.Lg3, und tatsächlich erhielt Schwarz nach dem raschen Damentausch eine bequeme Stellung mit deutlichem Raumvorteil und Spiel am Damenflügel. Mit dem Zug 28...g4 (s. Diagramm) zementierte Eljanov die Struktur am Königsflügel und führte anschließend unter Nutzung der offenen a-Linie die Entscheidung herbei.


Wang Yue - Eljanov,P
Stellung vor 53.Dxf5

Wenn es läuft, dann läuft es eben. In diese Rubrik fällt Eljanovs Gewinnpartie gegen Wang Yue aus der fünften Runde. Als Beispiel für seinen derzeit kaum zu bezwingenden Kampfgeist kommentiert der Turniersieger auch diese Partie auf der DVD. Denn nach dem schlechten Zug 15...Ld8, dem Eljanov in seiner Analyse ein strenges "??" verpasst, konnte der Chinese Schritt für Schritt einen massiven positionellen Vorteil aufbauen. Um dem tödlichen Eindringen des weißen Turms über die h-Linie zuvor zu kommen, opferte der Ukrainer mit 36...Txa3 die Qualität und hoffte auf Schummelchancen gegen den weißen König. Und tatsächlich spielte Wang Yue von nun an nicht mehr so souverän. In der Brettstellung steht Weiß zwar immer noch klar besser, aber hier verschenkte er mit 53.Dxf5 die Partie endgültig an seinen Gegner.


Ivanchuk,V - Radjabov,T
Stellung nach 25...a5

Teimour Radjabov sicherte sich in Astrachan den zweiten Platz in der Grand-Prix-Gesamtwertung vor Grischuk, Jakovenko und Wang Yue. In den ersten sechs Runden musste der Aserbaidschaner sich mit den schwarzen Steinen gleich vier mal der Englischen Eröffnung mit g3 erwehren. Mit Erfolg, alle vier Partien endeten Remis und die letzte dieser Serie hätte er eigentlich zum Gewinn führen müssen. Auf der DVD nimmt er diese Partie gegen Ivanchuk kritisch unter die Lupe. Mit 25...a5 (s. Diagramm) leitete Radjabov den Vorstoß seines a-Bauern bis nach a3 ein und zwang Ivanchuk, eine Figur für zwei Freibauern zu opfern. Radjabov erläutert in seiner Analyse, wie er den schwarzen Vorteil in der Folge nach und nach verstärken konnte, bevor er im 48. Zug durch eine Unachtsamkeit eine forcierte Remisabwicklung übersah.


Qualifikation geschafft:
Teimour Radjabov

Mit acht Remisen zu Beginn und der Niederlage gegen Eljanov in Runde 9 (s. oben) lief das Turnier für Radjabov freilich alles andere als wunschgemäß. In Runde 10 musste ein Sieg folgen, um das Ruder im Rennen um den Qualifikationsplatz noch rumzureißen. Und das gelang dem Aserbaidschaner in einer kämpferischen Partie gegen Akopian. Radjabov analysiert auch diese Partie auf der DVD und erläutert die vielen kleinen Finessen, mit Hilfe derer er sich in der Sizilianischen Kalaschnikow-Variante erst Vorteil und schließlich entscheidendem Materialvorteil verschaffte.


Gashimov,V - Ivanchuk,V
Stellung nach 34.Tf6

Vugar Gashimov landete mit 6.5 aus 13 nur im Mittelfeld - fürs Erreichen des Kandidatenturniers reichte das nicht. Zwar gewann er seine Erstrundenpartie gegen Ivanchuk auf sehenswerte Weise, doch zwei Niederlagen in den Runden 11 und 13 warfen ihn am Ende weit zurück. Für diese DVD hat Gashimov seine Glanzpartie aus der ersten Runde kommentiert. Im Spanischen Anti-Marshall beging Ivanchuk mit 13...Lf8 eine Unachtsamkeit, die es Weiß erlaubt, den Vorstoß f2-f4 mittels 14.Sg5 a tempo durchzusetzen. Nach der Öffnung der f-Linie mit f4xe5 erreichte Gashimov eine klar vorteilhafte Stellung mit hohem Drohpotential gegen den schwarzen König. Der Witz des Gewinnzuges 34.Tf6 (s. Diagramm) ist, dass der am Königsflügel umherirrenden Dame nun der Fluchtweg vor den vielen weißen Jägern abgeschnitten ist. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und folgen Sie der Partie mit den Kommentaren Gashimovs.
 


Strategie-Kolumne

Stellung nach 26...Txc6
Lesen Sie, was Peter Wells zu dieser Stellung zu sagen hat

Von der Eröffnungsfalle bis zur Endspielstudie

Training im ChessBase Magazin beginnt mit den allerersten Zügen und umfasst alle Phasen einer Schachpartie. Die aktuellen 12 Eröffnungsartikel mit vielen Ideen und Anregungen für Ihr Repertoire finden Sie hier oder oben bei den Links. Die subtile Eröffnungsfalle startet im 6. Zug, klicken Sie hier, um in die Kolumne (inklusive Fritztrainer-Video) von Rainer Knaak zu gelangen. Im Videoformat sind auch die Eröffnungsbeiträge von Lars Schandorff (Königsgambit 2...Lc5), Valeri Lilov (Holländisch Staunton-Gambit) und Leonid Kritz (Französisch Steinitz-Variante) erstellt worden. Diese Videos und weitere Aufnahmen im Chess Media Format finden Sie in der Rubrik Fritztrainer. Das Thema von Peter Wells in seiner Strategie-Kolumne lautet diesmal: "Bauernrennen im Offenen Sizilianer - Teil 1" (s. Diagramm). In Daniel Kings Dauerbrenner Move by Move steht eine Caro-Kann-Partie auf dem Trainingsplan. Und in den Rubriken Taktik und Endspiel haben Oliver Reeh und Karsten Müller wieder das Beste aus der aktuellen Turnierpraxis für Sie zusammengestellt.

 

Eröffnungs-Übersichten

Neven: Holländisch A80

1.d4 f5 2.Lg5

  Mit dem Läuferzug, der ...e6 verhindert und 2...Sf6 erschwert (wegen 3.Lxf6!), beginnt ein einfaches Repertoire gegen die Holländische Verteidigung. Nevens Spielvorschlag enthält in den kritischen Abspielen die lange Rochade von Weiß.

Erenburg: Moderne Verteidigung B07

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 Sbd7 4.f4 e5 5.Sf3 exd4 6.Dxd4 c6 7.Le3 d5

 

 

Mit den ersten drei Zügen strebt Schwarz meistens eine Philidor-Verteidigung an (4.Sf3 e5), dabei hat er dann bestimmte Abspiele vermieden. Mit 4.f4 kann Weiß die schwarzen Pläne durchkreuzen und in der Variante mit 8.dxc5 etwas Vorteil erlangen.

Kuzmin: Sizilianisch B92

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 7.Sb3 Le7 8.0-0 0-0 9.Te1 Le6 10.Lf3

  Mit diesem Aufbau erschwert Weiß den Vorstoß d6-d5 enorm. Zwar leidet auch das eigene Spiel etwas (passiver Lf3), aber mit geduldigem Manövrieren kann der Anziehende auf Vorteil hoffen.

Langrock: Französisch C11

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Lc5 9.Dd2 0-0

  Mit dem dritten Teil schließt der Autor seine Serie über die Hauptvariante der Steinitz-Verteidigung ab. Es wird u.a. gezeigt, wie Schwarz nach 10.0-0-0 a6 11.Sb3 sowie 10.g3 zufriedenstellendes Spiel bekommen kann.

Kritz: Französisch C11

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Db6

  Die Nebenvariante 8...Db6 stellt zweifellos nicht den besten schwarzen Aufbau dar. Aber wie erhält Weiß danach Vorteil? Kritz zeigt es Ihnen und geht dabei bis ins frühe Mittelspiel.

Stohl: Spanisch C77

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.d3 d6 6.c3

  Der schlichte Bauernzug 5...d6 ist die Wahl der Topspieler. Schwarz ist zu ...Sa5 bereit, weshalb 6.c3 eine Fluchtroute für den wertvollen La4 schafft. Stohl untersucht mehrere schwarze Züge in der Diagrammstellung, darunter das beliebte Fianchetto.

Postny: Slawisch D17

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Sh4 Lc8 7.e3 e5 8.Lxc4 exd4 9.exd4

  Mit 6.Sh4 haben Topspieler wie Eljanov und Bacrot zuletzt gute Ergebnisse erzielt. Wenn Schwarz sich das Läuferpaar erhalten will, so ist Rückzug angesagt; die Bewertung der Diagrammstellung ist somit wichtig für die gesamte Variante.

Marin: Bogo-Indisch E11

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 Lb4+ 4.Ld2 a5 5.g3 d5 6.Lg2 dxc4 7.Dc2 Sc6 8.Dxc4 Dd5

  Weiß wird hier direkt von der Eröffnung ins Endspiel gezwungen. Ob er da wenigstens etwas Vorteil bekommt, ist zweifelhaft. Marin stellt auf seine akribische Art ein aussichtsreiches System gegen 3.Sf3 vor.

Krasenkow: Damenindisch E12

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.a3 Lb7 5.Sc3 d5 5.cxd5 Sxd5 7.Dc2 Sxc3 8.bxc3

  Im dritten Teil von Krasenkows Serie über die Petrosian-Variante (4.a3) nähern wir uns der Hauptverteidigung von Schwarz. Schnelles ...c5 in der Diagrammstellung ist das aktuelle Thema; Weiß kann auf ein kleines Plus rechnen.

Schipkov: Königsindisch E84

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f3 0-0 6.Le3 Sc6 7.Sge2 a6 8.Dd2 Tb8 9.Tc1

  Mit dem Zug 9.Tc1 verhindert Weiß das geplante ...b5 (9...b5? 10.cxb5 axb5 11.Sxb5!) und auf 9...Ld7 folgt 10.Sd1. Die Idee: nach 10...b5 folgt 11.c5 und auf 11...dxc5 kann der Turm zurückschlagen: 12.Txc5 mit intakter weißer Zentrumsstellung, aber schwachem schwarzen c-Bauern.

Karolyi: Königsindisch E99

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.Se1 Sd7 10.Le3 f5 11.f3 f4 12.Lf2 g5

  Typisch ist hier weißes Spiel am Damenflügel und schwarzer Angriff gegen den kurz rochierten weißen König. Weißspieler, die sich damit gut auskennen, punkten überragend. Karolyi stellt die neuesten Entwicklungen vor.

Dembo: Königsindisch E99

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.Le2 e5 7.0-0 Sc6 8.d5 Se7 9.Se1 Sd7 10.f3 f5 11.g4

  Mit dem paradoxen 11.g4 will Weiß seinen Königsflügel schützen, um dann sein Übergewicht auf der anderen Seite in die Waagschale zu werfen. Yelena Dembo stellt dieses System anhand neuerer Partien von Topspielern vor.
 
19,95




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